2014 - ausgezeichnet in die zukunft

Am 30. Oktober war es wieder so weit: Bereits zum fünften Mal luden der Bildungsförderungsfonds und die Bildungslandkarte zur alle zwei Jahre stattfindenden Auszeichnungsveranstaltung ein. Das Motto lautete diesmal „ausgezeichnet in die zukunft“. Über 80 TeilnehmerInnen fanden sich im Dachsaal der Wiener Urania ein, um der Prämierung ausgezeichneter außerschulischer Projekte und dem Podiumsgespräch von Dr.in Regina Steiner und Mag. Willi Linder zum Ende der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung beizuwohnen.

Der Bildungsförderungsfonds für Gesundheit und Nachhaltige Entwicklung fördert im schulischen Bereich Umwelt- und Gesundheitsprojekte und im außerschulischen Bereich Bildungsprojekte, die zur Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaftsentwicklung im Sinne der Österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie beitragen.

Die Bildungslandkarte ist eine virtuelle Drehscheibe, die Orte der Bildung für nachhaltige Entwicklung in Österreich vereint. Über 400 Organisationen und Initiativen sind bereits aktiv geworden und haben ihr Bildungsangebot eingetragen.

Da zwischen dem Bildungsförderungsfonds und der Bildungslandkarte viele Synergieren bestehen, liegt eine Kooperation nahe. Diese wird in Form der alle zwei Jahre stattfindenden Auszeichnungsveranstaltung gelebt. Die Institutionen, deren Projekte bei der Veranstaltung prämiert werden, sind ebenfalls auf der Bildungslandkarte eingetragen und beispielhaft für die übrigen dort verzeichneten Projekte.

Eröffnung

Die Kooperationsveranstaltung wurde durch Herrn Dr. Peter Iwaniewicz, Leiter des Referats Nachhaltige Entwicklung im Ministerium für ein lebenswertes Österreich und Initiator der Veranstaltung, eröffnet. Danach begrüßte Samira Bouslama, Geschäftsführerin des FORUM Umweltbildung, das Publikum und gab das Wort an Corinna Gartner, Koordinatorin des Bildungsförderungsfonds und der Bildungslandkarte, weiter, die fortan durch die Veranstaltung führte.

Von der innovativsten Idee zur nachhaltigsten Wirkung

Auch heuer wurde in den drei Kategorien „innovativste Idee“, „beste Durchführung“ und „nachhaltigste Wirkung“ wieder je ein Projekt ausgezeichnet.

In der Kategorie "Innovativste Idee" wurde das Projekt „Fortbildungsmodul Natur im Jahreskreislauf – Schmankerl, Spiel und Spaß“ von Janaki David und Monika Humer – Studentinnen der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik – prämiert. „Innovativ“ ist das Projekt unter anderem deshalb, weil es sich an eine ganz neue Zielgruppe, nämlich Tagesväter und – mütter, richtet.

Das Pilotprojekt „One mission, a million solutions – Internationaler Ideenaustausch für besseres Verständnis und globales Handeln“ des Jane Goodall Institutes Austria unter der Projektleitung von Frau Mag.a Diana Leizinger wurde in der Kategorie „Beste Durchführung“ ausgezeichnet. Das Besondere an dem Projekt ist der internationale Ideenaustausch von sechs österreichischen Schulklassen mit sechs Schulklassen von anderen Kontinenten.

In der Kategorie „Nachhaltigste Wirkung“ wurde das „Projektkochbuch“ der Jugend-Umwelt-Plattform JUMP ausgezeichnet. Das Projektkochbuch ist ein Projektmanagement-Leitfaden für Jugendliche, der diese bei Projektinitiativen im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich unterstützt und speziell auf die Bedürfnisse junger Menschen abgestimmt ist. Das Projekt wurde unter der Projektleitung von Mag.a Claudia Kinzl, Geschäftsführerin von JUMP, durchgeführt.

BNE gestern - heute - morgen

Neben der Prämierung ausgezeichneter außerschulischer Projekte wurde die heuer zu Ende gehende UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in den Mittelpunkt gerückt. Was hat sich getan und: Wie geht es weiter? Mag. Willi Linder und Dr.in Regina Steiner, beide österreichische BNE-ExpertInnen, widmeten sich in einem von Johannes Brossmann geleitetem Podiumsgespräch dem Thema: „BNE gestern - heute - morgen“. Die TeilnehmerInnen wurden eingeladen, sich an der Diskussion zur heuer zu Ende gehenden UN-Dekade zu beteiligen.

Eröffnet wurde das Gespräch mit der Frage „Wie fühlt sich das Ende der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung für euch an?“

Willi Linder verglich die Dekade mit einem schwierigen Urlaub: „Am Anfang war die Hoffnung, dass Umweltbildung mehr Schwung bekommt, neue Zielgruppen erreicht. Dann die vielen Mühen: wenig Mittel, auch viele Widerstände. Vor allem aber die Mühen, BNE neu zu denken – auch ich dachte lange an Umweltbildung ergänzt um die ökonomische und die ökologische Dimension. Und heute ein Blick auf wunderbare Initiativen und Projekte, auch darauf, dass zumindest da und dort die Verankerung, etwa im Hochschulbereich, gelungen ist.“ Ähnlich fiel auch die Antwort von Regina Steiner aus, die meinte, dass sich nach der ersten Aufbruchsstimmung Ernüchterung einstellte, als die Strategie dann doch sehr abgespeckt wurde. Schlussendlich wurden jedoch sehr viele gute Projekte umgesetzt. Allerdings benötigt es auch weiterhin vieler Initiativen und Engagement von uns allen, denn: nach der Dekade ist vor der Dekade.

Nach dieser Einstimmung in die Thematik stand ein „Reality Check“ am Programm. Zu Beginn der Dekade fanden in einigen Bundesländern Round Table Gespräche mit Stakeholdern statt. Aus den Protokollen dieser Gespräche bzw. Beiträgen einiger AutorInnen wählte Johannes Brossmann Zitate aus und konfrontierte die beiden ExpertInnen damit.

Nach der Diskussion einiger kontroverser Punkte ging es darum, das Gelungene und Ausgezeichnete der Dekade zu würdigen. Da sich viele AkteurInnen der Dekade im Publikum befanden, wurde die Frage an dieser Stelle auch an dieses weitergegeben und Wortmeldungen dazu eingeholt.

Zum Abschluss wurde der Blick in die Zukunft gerichtet. Der UN-Dekade wird ein Weltaktionsprogramm von 2015 bis 2019 mit fünf Schwerpunkten (nachzulesen im Jahrbuch 2014) folgen. Die abschließende Frage an die beiden ExpertInnen lautete daher: Was wünschen sie sich diesbezüglich und was würden sie gerne dazu beitragen? Regina Steiner antwortete klar mit einem Wunsch nach mehr Politikunterstützung und einem verstärkten Einzug der BNE in die LehrerInnenbildung sowie vermehrte Kooperationen über alle Bildungsebenen hinaus. Sie wird sich dafür selbst im Zuge Ihrer Professur an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich einsetzen. Willi Linder antwortete mit einem Augenzwinkern und meinte, dass die BNE von unten gewachsen ist und es jetzt gut wäre, wenn sie auch von oben gegossen werden würde.

Genussvolles Vernetzen beim Buffet

Im Anschluss an den offiziellen Teil waren die TeilnehmerInnen bei einem kleinen Mittagssnack eingeladen, den begonnen Diskurs fortzusetzen und sich untereinander zu vernetzen. Wer nach dieser gelungenen und interessanten Veranstaltung Lust auf mehr zum Thema „Dekadenende und wie geht es weiter“ bekommen hat, ist herzlich eingeladen, an der Abschlusskonferenz des Österreichischen Dekadenbüros am 5. Dezember 2014 im Kardinal König Haus teilzunehmen. Weitere Informationen und die Anmeldemöglichkeit können auf der Website des Dekadenbüros nachgelesen werden.

Die ReferentInnen

Mag. Willi Linder
Willi Linder hat das Lehramtsstudium für Biologie und Umweltkunde abgeschlossen und ist seit 1984 in unterschiedlichen Rollen und Funktionen in der Umweltbildung tätig. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereich Natur- und Exkursionspädagogik. Weiters hat er an der Strategie der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ mitgearbeitet und ist seit 2008 Lehrender an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik. Autorentätigkeit u. a. für die UNESCO Österreich sowie für das Forum Umweltbildung. Internationale Seminare zum Thema Frieden und Nachhaltigkeit, zuletzt in Georgien.

Dr.in Regina Steiner
Regina Steiner hat ihre Karriere als Volksschullehrerin in Oberösterreich begonnen und absolvierte danach ebenfalls das Lehramtsstudium Biologie und Umweltkunde in Salzburg. Später war sie als Lehrerin in der AHS sowie in der HAK/Hasch und im Ausbildungslehrgang für Sozialberufe der Caritas tätig. Ihr Doktorat in Pädagogik absolvierte sie an der Universität Klagenfurt. Derzeit hat sie eine Hochschulprofessur für allgemeine Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich inne und ist weiters Lehrbeauftragte an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik im Bereich BNE. Dem FORUM Umweltpädagogik ist Regina Steiner seit 1987 (damals ARGE Umwelterziehung) treu.

Moderation: Johannes Brossmann
Johannes Brossmann hat Umweltpädagogik in Wien studiert. Derzeit steht er für das Theater Trittbrettl als Schau- und Puppenspieler auf der Bühne. Er arbeitet als freier Umwelt- und Waldpädagoge und engagiert sich mit dem Verein actinGreen auf kreative Weise für Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Dem Forum Umweltbildung ist er seit einem Praktikum 2011 verbunden.

Fotos: Klara Haas

Zum Weiterschauen

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