2015 - Ausgezeichnet ins Weltaktionsprogramm

Zahlreiche BesucherInnen folgten am  21. Oktober der Einladung des FORUM Umweltbildung zur Präsentation des BNE-Jahrbuchs sowie der Auszeichnung von außerschulischen Projekten des Bildungsförderungsfonds.  Die Veranstaltung fand im Albert Schweitzer Haus in Wien statt und bot als weitere Höhepunkte einen Vortrag des deutschen BNE-Experten Reiner Mathar zum Weltaktionsprogramm (WAP) sowie ein Podiumsgespräch zwischen ihm und Margit Meister, welche in Niederösterreich seit Jahren mit der strukturellen Umsetzung  von BNE befasst ist.

Die Präsentation des nunmehr dritten BNE-Jahrbuchs des FORUM Umweltbildung bildete den Auftakt der Veranstaltung. Unter der Moderation von Michael Schöppl wurde Wolfgang Sorgo, der bisherige Chefredakteur des Jahrbuchs auf die Bühne gebeten, um kurz über seine persönlichen Highlights des Jahrbuchs Auskunft zu geben.  Das Publikum erfuhr, dass auch bei einem seit Jahrzehnten in der Umweltbildung bzw. BNE  tätigen Journalisten die Recherche zu einem  vermeintlich unattraktiven Thema wie „Boden“  große Begeisterung hervorrufen kann. Auch die Auseinandersetzung mit Citizen Science  beeindruckte ihn merklich, stellt sie durch ihren Bottom-up-Zugang  doch ein Paradebeispiel  der  Bildung für nachhaltige Entwicklung dar. 

Eine bessere Zukunft beginnt jetzt!

Foto: Klara Haas

Reiner Mathar, deutscher Delegierter im Lenkungsausschuss der UNECE-Strategie BNE sowie staatlicher Koordinator für BNE in Hessen veranschaulichte in seinem sehr informativen Vortrag mit zahlreichen praktischen Beispielen über das 2015 beginnende Weltaktionsprogramm (WAP), welches  sich zum Ziel gesetzt hat, die zahlreichen Ergebnisse der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“  strukturell zu verankern. „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist der Weg zu einer besseren Zukunft für alle“, versichert der deute BNE-Experte eindrücklich.
Um die geplante strategische Fokussierung zu ermöglichen und die BNE voranzutreiben,  werden im WAP fünf konkrete Handlungsfelder genannt:

  1. Politische Unterstützung
    In vielen Ländern werden schon konkrete Schwerpunkte gesetzt. In Deutschland beispielsweise ist ein großes Budget zur Realisierung bewilligt worden.
  2. Ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen
    Die Schule muss zum Lebensraum gemacht werden und das Bewusstsein, dass ALLE Schulfächer ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten können muss geschärft werde.
  3. Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren
    Die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung müssen strategisch und systematisch in die LehrerInnenausbildung aufgenommen werden.
  4. Stärkung und Mobilisierung der Jugend
    Im Kontext der UNESCO reicht der Bereich Jugend bis 30 Jahre.  Jugendliche sollen völlig eigenständig  Projekte durchführen können.  Besonders im Bereich der Stadtentwicklung gib es schon sehr beeindruckende Bespiele in vielen Ländern der Erde.
  5. Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene
    BNE-Programme und -
    Netzwerke sollen auf der Ebene von Städten, Gemeinden und Regionen umgesetzt werden. Auch hier gibt es beispielsweise in Deutschland sehr beeindruckende  Beispiele.

„Es muss sich jemand zuständig fühlen!“

Im anschließenden  Podiumsgespräch berichtete Margit Meister von der niederösterreichischen Landesregierung über das von ihr in den letzten Jahren aufgebaute Netzwerk „Umweltbildung in Niederösterreich“, welches zahlreiche auf lokaler Ebene wirkende Bildungsorganisationen unter einem Dach vereint. „ In Niederösterreich ist die BNE zur Basis in der Bildungslandschaft geworden“, freut sich Meister.

Beide DiskussionspartnerInnen waren sich einig, dass durch die strukturelle Möglichkeit der Vernetzung, die Basis für eine gute Zusammenarbeit zwischen einzelnen Organisationen gelegt wird. Barrieren, Vorurteile und Konkurrenzängste werden abgebaut und gemeinsame Projekte entstehen von selbst.  Ganz klar sei jedoch, so die beiden ExpertInnen: „Es braucht jemanden,  der sich kümmert, denn Netzwerke müssen servisiert werden –  und das muss auch bezahlt werden!“

Die innovativste Idee, die beste Durchführung und die nachhaltigste Wirkung

Der vierte Schwerpunkt des Abends – und damit die Abrundung zu all dem, was im Vorfeld besprochen wurde – war die Prämierung der besten außerschulischen Projekte in drei Kategorien. Die Projekte des Bildungsförderungsfonds für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung stellen bereits seit vielen Jahren Best-Practice-Beispiele für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung dar – und sind alle auch in der Bildungslandkarte verortet. 

Unter der Moderation  von Corinna Gartner  (Projektleiterin für den Bildungsförderungsfonds) überreichte  Elisabeth Schneider aus dem Umweltministerium in Vertretung von Peter Iwaniewicz den PreisträgerInnen eine Auszeichnungsurkunde.

Naturfreunde Internationale

In der Kategorie „Innovativste Idee“ wurde das Projekt „Vielfalt erleben“  der Naturfreunde Internationale ausgezeichnet.  Unter dem Motto „Umweltbildung einmal anders“  möchte das Projekt den Wert von Mehrsprachigkeit vermitteln und ein vorurteilsfreies Miteinander von Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten fördern. Gleichzeitig ermöglicht es Volksschulkindern unterschiedlicher Herkunft das Erleben der Natur in ihrer Umgebung. 

Craftistas Wien

Die "Offene FrauenWERKstatt" von Craftistas Wien - Offene FrauenWERKstatt wurde in der Kategorie "Beste Durchführung" ausgezeichnet. Mädchen und Frauen kommen in den männlich dominierten Bereichen Technik und Naturwissenschaft in Ausbildung und Beruf noch immer viel zu kurz. Aus wirtschaftlicher und auch gesellschaftlicher Perspektive müssen Mädchen und Frauen zukünftig in diesen  Arbeitsfeldern stärker vertreten sein und ihre Positionen, Sichtweisen und Kompetenzen einbringen. In der Offenen FruenWERKstatt wird kompetente Unterstützung von Fachfrauen geboten und spezielle Räume, die Schwellenängste gegenüber technisch-handwerklichem Tun bzw. Arbeiten überwinden helfen.

Verein "Tierschutz macht Schule"

Die Jury hat befunden, dass die „Nachhaltigste Wirkung" durch das Projekt „Das ‚Nutztier‘ Schwein in unserer Gesellschaft. Lebewesen – Konsumgut – Wirtschaftsfaktor“ des  Vereins "Tierschutz macht Schule" vertreten wird. Das Projekt befasste sich mit aktuellen, gesellschaftspolitischen Themen, wie zum Beispiel nachhaltiger Konsum, Gesundheitsförderung und Umweltschutz. Es richtete sich an LehrerInnen und SchülerInnen der Sekundarstufe II. Im Zuge des Projektes entstandene Unterrichtsmaterialien stehen auf der Vereinshomepage zur Verfügung.

Genusssvolles Vernetzen am Buffet

Am Ende dieser sehr erfolgreichen und informativen Veranstaltung lud das FORUM Umweltbildung zum genußvollen Vernetzen am Buffet ein.  Das außergewöhnliche und sehr schmackhafte Buffet im ansprechenden Ambiente regte viele TeilnehmerInnen zu intensiven Gesprächen an. Vielleicht ist der Grundstein für ein neues Netzwerk gelegt worden? Vielleicht konnten Vorurteile abgebaut werden und gemeinsame Projekte angebahnt? Lassen Sie es uns wissen.

 

Fotos: Klara Haas und aus den Projekten

Sie konnten leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen und Sie wollen sich selber ein Bild machen? Dann blättern Sie doch einfach in unserem Facebook-Album.